Gemeinsam mit dem Büro STADTart arbeitet der Regionalverbund Rhein-Ruhr (RVR) an einer Studie, die sich mit Möglichkeiten von Mittelzentren befasst, urbane und kreative Räume für die Kultur- und Kreativwirtschaft zu entwickeln. Neben Hagen haben sich mit Dinslaken, Recklinghausen und Unna drei weitere Kommunen als Modellstädte zur Verfügung gestellt. Am vergangenen Freitag (11.12.2009) hatte der RVR die Planungsverantwortlichen aus den Kommunen des Ruhrgebiets nach Hagen eingeladen, um ihnen erste Ergebnisse der Modellstudie vorzustellen und diese gemeinsam zu reflektieren. Hagens Oberbürgermeister Jörg Dehm begrüßte die rund 50 Akteure der Stadtplanung, Wirtschaftsförderung und Kultur im Auditorium des Emil Schumacher Museums. „Dieser Ort passt hervorragend zum Thema Ihrer heutigen Veranstaltung“, so Dehm. „Ich wünsche Ihnen einen lebhaften Austausch zur Bedeutung der ´Kreativen für die Stadtentwicklung` hier im neuen Hagener Kunstquartier.“
 |   Die Teilnehmer des Workshops wollen sich stark machen für eine enge Zusammenarbeit der Akteure der Stadtplanung, Wirtschaftsförderung und Kultur
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Noch vor wenigen Jahren wurde der Begriff der „Kultur- und Kreativwirtschaft“ vielerorts belächelt. Insbesondere im Ruhrgebiet, das in den letzten 150 Jahren als Standort der Montanindustrie galt und durch großindustrielle Strukturen geprägt war, hat die „neue Branche“ es schwer, einen adäquaten Stellenwert in Politik und Planung zu finden, der ihrer dynamischen Entwicklung der letzten Jahre gerecht wird.
Hier verbirgt sich ein eigener, ernstzunehmender Wirtschafts- und Beschäftigungsfaktor mit großer Bedeutung für die Entwicklung der Städte und Regionen. „Aus der Perspektive einer Stadt wie Hagen mit rund 194.000 Einwohnern gewinnt man leicht den Eindruck, dass diese Entwicklung hauptsächlich in Großstädten und Großprojekten stattfindet“, sagte Dehm in seiner Begrüßungsansprache und nannte Beispiele wie die Umnutzung des Dortmunder U oder die Zeche Zollverein in Essen. „Dass aber auch ´Mittelzentren` wie Dinslaken, Unna, Recklinghausen oder eben Hagen von der Entwicklung profitieren, war vielen bislang nicht klar.“
Das zu untersuchen war Thema der Modellstudie des RVR, mit dem überraschenden Ergebnis: Die Kultur- und Kreativwirtschaft scheint tatsächlich auch für die Entwicklung von Mittelzentren eine große Bedeutung zu haben und künftig als Handlungsfeld eine wichtige Rolle zu spielen.
So ist in Hagen zum Beispiel laut Studie die Zahl der Erwerbstätigen und Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft in Hagen unerwartet hoch und die Umsätze stiegen in den letzten Jahren sogar überproportional. In der Volmestadt sind immerhin 3,1 % aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Hagener Kultur- und Kreativwirtschaft tätig. 482 Hagener Unternehmen erwirtschafteten Jahresumsätze von rund 583 Mio. Euro - das sind 3,9 % der Hagener Gesamtumsätze. Beschäftigten-Schwerpunkte sind statistisch gesehen der Literatur-/Buch- und Pressemarkt, der Software- und Gamesmarkt, die Musikwirtschaft, die Darstellende Kunst und die Werbewirtschaft.
Identifiziert wurden im Projekt drei urbane Quartiere, in denen Talente, Selbstständige und Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft ihren urbanen Wohn- und Arbeitsstandort haben. Darunter das publikumsbezogene Kultur- und Freizeitviertel rund um die Elbershallen, das Kunstquartier einschließlich des gegenüberliegenden Kunst- und Atelierhauses Hotel Danne sowie den kreativen Orten und Immobilien in Wehringhausen und Haspe.
Nach einem lebhaften Austausch der Planungsverantwortlichen zeigte sich nicht nur Hagen als Haushaltsicherungskommune sehr gespannt, wo die Experten Handlungsspielräume sehen werden, um die Potenziale zu nutzen und die Kreativen zu unterstützen. Hagens Oberbürgermeister möchte den Wirtschaftsstandort besser positionieren, einerseits durch aktivere Bestandspflege der Schwerpunktbranchen, andererseits durch Stärkung von Dienstleistungs- und Zukunftsbranchen, die besonders vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in Hagen eine Schlüsselrolle für die Standortentwicklung spielen können.
Die Veranstaltung am Freitag war sicher nicht nur für Hagen ein Anstoß, das Feld künftig stärker zu bearbeiten. „Kultur schafft Arbeit“, wusste schon Karl Valentin. Und so ging man am Ende auseinander mit dem gegenseitigen Versprechen, sich stark zu machen für eine enge Zusammenarbeit der Akteure der Stadtplanung, Wirtschaftsförderung und Kultur und künftige Projekte und Aktivitäten - im Rahmen, aber auch nach dem Kulturhauptstandjahr Ruhr.2010.
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www.kulturwirtschaft.nrw.de